Trust, Sicherheit & Regulierung
KI in der Schweiz: Forschung, Modelle und Regulierung im Überblick
Forschung als Fundament: ETH, EPFL und CSCS
Das Rückgrat der Schweizer KI ist die öffentliche Forschung. Die ETH Zürich und die EPFL in Lausanne gehören konstant zu den weltbesten technischen Hochschulen und bündeln ihre Kräfte in der 2023 lancierten Swiss AI Initiative, an der über 800 Forschende beteiligt sind. Die nötige Rechenleistung liefert das nationale Hochleistungsrechenzentrum CSCS in Lugano mit dem Supercomputer Alps, einem der leistungsfähigsten KI-Systeme Europas.
Apertus: das offene Schweizer Sprachmodell
Im September 2025 veröffentlichten ETH Zürich, EPFL und CSCS mit Apertus (lateinisch für offen) ein grosses Sprachmodell, das konsequent auf Transparenz setzt: Nicht nur die Gewichte, sondern auch Trainingsdaten, Trainingsrezept und Dokumentation sind offen zugänglich. Apertus wurde in zwei Grössen von rund 8 und 70 Milliarden Parametern trainiert, deckt über 1000 Sprachen ab und legt besonderen Wert auf mehrsprachige und rechtskonforme Datennutzung.
- Vollständig offen: Gewichte, Datensätze und Trainingscode unter permissiver Lizenz
- Mehrsprachig ausgelegt, mit hohem Anteil nicht-englischer Daten
- Trainiert auf Alps am CSCS, koordiniert über die Swiss AI Initiative
- Verfügbar unter anderem über Hugging Face und Schweizer Partner wie Swisscom
Innovationsökosystem: Innosuisse, Start-ups und Talent
Neben der Grundlagenforschung fördert die Innovationsagentur Innosuisse den Transfer in die Wirtschaft und finanziert Projekte zwischen Hochschulen und Unternehmen. Rund um ETH und EPFL ist ein dichtes Netz von Spin-offs und KI-Start-ups entstanden, etwa in den Bereichen Modellzuverlässigkeit, Computer Vision und Sprachtechnologie. Die Schweiz belegt im Global Innovation Index der WIPO seit Jahren Spitzenplätze, ein Indikator für Talentdichte, Finanzierung und Forschungsstärke.
Regulierung: sektoriell statt horizontales KI-Gesetz
Die Schweiz verfolgt einen technologieneutralen, sektoriellen Ansatz. Statt eines umfassenden KI-Gesetzes nach EU-Vorbild will der Bundesrat (Beschluss vom Februar 2025) die KI-Konvention des Europarats ratifizieren und bestehendes Recht punktuell anpassen; ein konkreter Entwurf soll bis Ende 2026 erarbeitet werden. Zentral bleibt das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG, in Kraft seit September 2023), beaufsichtigt vom EDOEB. Wichtig: Die EU-KI-Verordnung wirkt extraterritorial und betrifft Schweizer Anbieter, die in den EU-Markt liefern.
- Technologieneutral und sektoriell: keine horizontale KI-Sonderregulierung
- revDSG als massgebliches Datenschutzfundament, Aufsicht durch den EDOEB
- Unterzeichnung der Europarats-KI-Konvention als völkerrechtlicher Rahmen
- EU-KI-Verordnung mit extraterritorialer Wirkung für exportierende Firmen
Adoption und der Schweizer Vorteil
In der Praxis setzen Schweizer Unternehmen KI zunehmend in Kundenservice, Dokumentenverarbeitung, Qualitätskontrolle und Forschung ein. Der Standortvorteil liegt in der Kombination aus Mehrsprachigkeit (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch), hohem Datenschutzniveau, politischer Stabilität und exzellenter Infrastruktur. Für regulierte Branchen wie Finanz, Pharma und öffentliche Verwaltung sind Datenhoheit und Nachvollziehbarkeit entscheidend, Faktoren, die offene und in der Schweiz gehostete Modelle attraktiv machen.
Ausblick: was 2026 und danach zählt
- Weiterentwicklung von Apertus und Folgemodellen der Swiss AI Initiative
- Konkretisierung der Regulierung nach Ratifizierung der Europarats-Konvention
- Ausbau souveräner Infrastruktur (CSCS Alps) und Schweizer Hosting-Angebote
- Wachsende Bedeutung von KI-Kompetenz und Governance in Unternehmen
Häufige Fragen
Was ist Apertus?
Apertus ist ein vollständig offenes grosses Sprachmodell, das 2025 von ETH Zürich, EPFL und CSCS veröffentlicht wurde. Offen sind nicht nur die Gewichte, sondern auch Trainingsdaten und -rezept. Es kam in zwei Grössen (rund 8 und 70 Milliarden Parameter) und ist mehrsprachig ausgelegt.
Hat die Schweiz ein KI-Gesetz wie die EU?
Nein. Die Schweiz verfolgt einen technologieneutralen, sektoriellen Ansatz statt eines horizontalen KI-Gesetzes. Der Bundesrat will die KI-Konvention des Europarats ratifizieren und bestehendes Recht anpassen; ein Entwurf soll bis Ende 2026 vorliegen.
Gilt die EU-KI-Verordnung für Schweizer Unternehmen?
Ja, sie kann. Die EU-KI-Verordnung wirkt extraterritorial: Schweizer Anbieter, die KI-Systeme oder deren Ergebnisse in den EU-Markt bringen, können erfasst sein. Zusätzlich gilt in der Schweiz das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG).
Welche Rolle spielen ETH Zürich und EPFL?
Sie sind das Herz der Schweizer KI-Forschung. Über die 2023 lancierte Swiss AI Initiative bündeln beide Hochschulen mit über 800 Forschenden ihre Kräfte und stehen hinter Modellen wie Apertus. Die Rechenleistung liefert das CSCS.
Was ist der Supercomputer Alps am CSCS?
Alps ist das Flaggschiffsystem des nationalen Hochleistungsrechenzentrums CSCS in Lugano und eines der leistungsfähigsten KI-Systeme Europas. Es liefert die Rechenleistung für die Swiss AI Initiative und das Training von Modellen wie Apertus.
Welches Datenschutzrecht gilt für KI in der Schweiz?
Massgeblich ist das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG), in Kraft seit September 2023 und beaufsichtigt vom EDOEB. Für Schweizer Sachverhalte wird nicht die DSGVO herangezogen; diese kann jedoch bei EU-Bezug zusätzlich relevant sein.
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