KI-Modelle & Anbieter

OpenAI vs Anthropic: Wo liegen die Unterschiede?

OpenAI vs Anthropic auf einen Blick

Beide Unternehmen entwickeln Frontier-Sprachmodelle, doch Herkunft, Rechtsform und strategischer Fokus unterscheiden sich deutlich. Die folgende Übersicht fasst die stabilen, öffentlich bekannten Fakten zusammen.

  • OpenAI: 2015 in San Francisco gegründet; bekannt für ChatGPT und die GPT-Modellfamilie; enge Partnerschaft mit Microsoft; Capped-Profit-Struktur unter Aufsicht einer Non-Profit-Organisation.
  • Anthropic: 2021 von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitenden (u. a. Dario und Daniela Amodei) gegründet; bekannt für die Claude-Modelle; als Public Benefit Corporation organisiert; Investitionen u. a. von Amazon und Google.
  • Gemeinsamkeit: Beide bieten Chat-Oberflächen, Entwickler-APIs, Enterprise-Angebote und multimodale bzw. reasoning-orientierte Modellvarianten.

Herkunft und Philosophie

OpenAIs erklärtes Ziel ist es sicherzustellen, dass künstliche allgemeine Intelligenz (AGI) der ganzen Menschheit nützt. Das Unternehmen setzt auf iterative Bereitstellung: Modelle werden früh und breit veröffentlicht, um aus realer Nutzung zu lernen und Fähigkeiten schnell in Produkte zu überführen.

Anthropic wurde mit einem ausgeprägten Fokus auf KI-Sicherheit gegründet. Der Ansatz ist forschungsgetrieben: Interpretierbarkeit, Alignment und kontrollierte Skalierung stehen im Vordergrund. Anthropic positioniert sich als Labor, das Fähigkeiten und Sicherheit gemeinsam vorantreiben will, statt Verbreitung um jeden Preis.

Produkte und Modelle

Die Produktportfolios überschneiden sich, setzen aber unterschiedliche Akzente. Konkrete Modellnamen und Versionen ändern sich schnell; prüfen Sie für aktuelle Varianten und Kontextfenster stets die offizielle Dokumentation des jeweiligen Anbieters.

  • OpenAI: ChatGPT (Web, App, Enterprise), die GPT-Modellfamilie sowie reasoning-orientierte Modelle, Bild- und Videogenerierung (DALL-E, Sora), Sprachtranskription (Whisper) und eine breite Entwickler-API.
  • Anthropic: Claude (Web, App, Enterprise) mit den Modellfamilien Opus, Sonnet und Haiku, die Claude-API sowie Entwicklerwerkzeuge wie Claude Code für agentische Programmieraufgaben.
  • Interoperabilität: Anthropic hat mit dem Model Context Protocol (MCP) einen offenen Standard zur Anbindung von KI-Modellen an externe Tools und Datenquellen veröffentlicht, der zunehmend anbieterübergreifend genutzt wird.

Sicherheit, Governance und Rechtsform

Beide Labore veröffentlichen Sicherheitsrichtlinien, doch die Schwerpunkte unterscheiden sich. Anthropic ist als Public Benefit Corporation verpflichtet, öffentliches Interesse und Gewinn abzuwägen, und hat mit der Responsible Scaling Policy ein Stufenmodell für Sicherheitsmassnahmen bei steigenden Modellfähigkeiten definiert. Constitutional AI trainiert Modelle anhand einer expliziten Prinzipiensammlung statt nur über menschliches Feedback.

OpenAI verfolgt Sicherheit über eigene Frameworks zur Risikobewertung sowie über sein Governance-Modell, bei dem eine Non-Profit-Muttergesellschaft die gewinnorientierte Einheit beaufsichtigt. Für verbindliche Details zu Governance und Sicherheitsprozessen sind die jeweils aktuellen offiziellen Angaben massgeblich.

Positionierung und Ökosystem

OpenAI ist tief in das Microsoft-Ökosystem integriert (etwa über Azure OpenAI Service und Copilot-Produkte) und hat mit ChatGPT eine der reichweitenstärksten Konsumentenmarken der KI aufgebaut. Das begünstigt eine Plattform- und Recosystem-Strategie für Endnutzer, Entwickler und Grossunternehmen zugleich.

Anthropic hat strategische Cloud-Partnerschaften mit Amazon (Bedrock) und Google (Vertex AI) und richtet Claude stark auf Entwickler- und Enterprise-Einsatz aus, etwa für Coding, Analyse und agentische Workflows. Über MCP fördert Anthropic ausserdem einen offenen Integrationsansatz.

Auswahl aus Schweizer und DACH-Sicht

Für Organisationen in der Schweiz ist weniger der Anbietername entscheidend als der konkrete Umgang mit Daten. Massgeblich sind das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG/nFADP) und die Aufsicht des EDÖB; wer in der EU tätig ist oder KI-Systeme dort einsetzt, muss zusätzlich den extraterritorialen EU AI Act beachten.

  • Prüfen Sie vertraglich zugesicherte Datenverarbeitung: Werden Enterprise-/API-Eingaben standardmässig vom Modelltraining ausgeschlossen? Beide Anbieter bieten hierfür Geschäftskonditionen an.
  • Klären Sie Datenstandort und Cloud-Zugang: Der Bezug über Azure (OpenAI) bzw. Amazon Bedrock oder Google Vertex AI (Anthropic) kann Region, Vertragspartner und Auftragsverarbeitung beeinflussen.
  • Beziehen Sie souveräne Alternativen in die Evaluation ein: Das an ETH Zürich und EPFL entwickelte, offene Schweizer Sprachmodell Apertus zeigt, dass neben US-Anbietern auch lokale Optionen für bestimmte Anwendungsfälle relevant sein können.

Fazit: Es gibt keinen pauschalen Sieger

OpenAI und Anthropic liefern beide leistungsfähige Modelle; die Leistung einzelner Versionen wechselt mit jeder Generation. Wählen Sie anhand Ihres Anwendungsfalls, testen Sie mit echten Aufgaben und Daten, und gewichten Sie Datenschutz, Governance, Ökosystem-Integration und Kosten. Viele Organisationen setzen bewusst auf eine Multi-Modell-Strategie, um Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter zu vermeiden.

Häufige Fragen

Ist Anthropic sicherer als OpenAI?

Anthropic macht KI-Sicherheit zum expliziten Kern seiner Identität (Constitutional AI, Responsible Scaling Policy, Public Benefit Corporation). OpenAI verfolgt Sicherheit ebenfalls über eigene Frameworks und Governance. Ein pauschales Urteil ist nicht seriös möglich; entscheidend ist, welche vertraglichen Zusagen und technischen Kontrollen für Ihren konkreten Anwendungsfall gelten.

Wer steht hinter OpenAI und Anthropic?

OpenAI wurde 2015 gegründet und hat eine enge Partnerschaft mit Microsoft. Anthropic wurde 2021 von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitenden, darunter Dario und Daniela Amodei, gegründet und wird unter anderem von Amazon und Google unterstützt. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in den USA.

Was ist der Hauptunterschied zwischen ChatGPT und Claude?

ChatGPT (OpenAI) ist Teil eines breiten Produktökosystems mit Bild-, Video- und Sprachfunktionen und einer sehr grossen Konsumentenbasis. Claude (Anthropic) ist stark auf Entwickler- und Enterprise-Aufgaben wie Coding, Analyse und agentische Workflows ausgerichtet. Beide sind leistungsfähige Assistenten; die Eignung hängt vom Anwendungsfall ab.

Welcher Anbieter ist günstiger?

Die Preise variieren je nach Modell, Kontextfenster und Nutzungsvolumen und ändern sich häufig. Vergleichen Sie deshalb die jeweils aktuellen Preislisten der Anbieter für die konkreten Modelle, die Sie einsetzen wollen. Kalkulieren Sie zusätzlich Token-Verbrauch, Caching und Nebenkosten über Cloud-Marktplätze ein.

Sind OpenAI und Anthropic revDSG- und EU-AI-Act-konform nutzbar?

Konformität ergibt sich nicht aus dem Anbieter allein, sondern aus Ihrer Konfiguration: vertragliche Datenverarbeitung, Ausschluss vom Training, Datenstandort und dokumentierte Governance. Beide bieten Enterprise-Bedingungen an. Verantwortlich für die Einhaltung von revDSG/nFADP und, bei EU-Bezug, dem EU AI Act bleibt Ihre Organisation als Betreiberin.

Sollte man sich für nur einen Anbieter entscheiden?

Nicht zwingend. Viele Organisationen verfolgen eine Multi-Modell-Strategie und wählen pro Aufgabe das passende Modell, um Qualität, Kosten und Anbieterunabhängigkeit auszubalancieren. Eine Abstraktionsschicht über die APIs erleichtert den Wechsel und reduziert das Risiko eines Vendor-Lock-in.

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