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One-Pager oder komplette Unternehmenswebsite: Wie viele Seiten braucht ein KMU wirklich?

36 Seiten für neun Gemeinden: Wie ein Reinigungsunternehmen sich selbst unsichtbar machte

Ein fiktives Beispiel für eine typische Situation: Corinne Zbinder führt mit ihrem Team ein Reinigungsunternehmen im Kanton Aargau – Unterhaltsreinigung, Bauendreinigung, Fensterreinigung und Umzugsreinigung, aktiv in neun Gemeinden zwischen Aarau und Baden. Eine SEO-Beratung gab ihr vor zwei Jahren einen einleuchtend klingenden Rat: pro Leistung und pro Gemeinde eine eigene Seite, damit Google für jede Kombination – «Fensterreinigung Wettingen», «Bauendreinigung Baden» – eine passende Landingpage findet. Vier Leistungen mal neun Gemeinden ergab 36 Seiten, dazu Startseite, Kontakt und Über uns: 39 insgesamt. Die Texte unterschieden sich im Wesentlichen durch den ausgetauschten Ortsnamen im ersten Satz.

Anderthalb Jahre später zeigte die Google Search Console ein nüchternes Bild: Von den 36 Kombinationsseiten waren zwölf gar nicht indexiert, die übrigen vierundzwanzig brachten zusammen weniger monatliche Klicks als die Startseite allein. Kein einziger neuer Auftrag liess sich auf eine dieser Seiten zurückführen. Was tatsächlich funktionierte, war eine einzige, sorgfältig geschriebene Seite zur Fensterreinigung mit echten Referenzfotos – die einzige der 39 Seiten, die von Anfang an mehr enthielt als den Namen einer anderen Gemeinde.

Das Problem war nicht die Idee, lokal sichtbar zu sein. Das Problem war die Annahme, Seitenzahl erzeuge automatisch Sichtbarkeit. Wie viele Seiten eine Website tatsächlich braucht, entscheidet sich nicht am Bauchgefühl einer Agentur und nicht an einer Formel wie «Leistungen mal Standorte» – sondern an vier Variablen, die sich für jedes Unternehmen einzeln zählen lassen, und an einem Test, der für jede einzelne geplante Seite dieselbe Frage stellt: Verdient das hier wirklich eine eigene Seite – oder ist das eine Zeile auf einer bestehenden?

Vier Variablen, die die Seitenzahl wirklich bestimmen

Die Zahl sinnvoller Seiten ist kein Bauchgefühl und keine feste Regel wie «zehn Seiten für jedes KMU» – sie ergibt sich aus vier Variablen, die für jedes Unternehmen unterschiedlich ausfallen.

  • Leistungen: Wie viele Angebote lösen jeweils eine eigenständige Kaufentscheidung mit eigener Suchintention aus? Vier Reinigungsarten mit unterschiedlichen Kund:innen, Preisen und Abläufen sind vier echte Leistungen. Drei Grössen desselben Gartenhäuschens sind eine Leistung mit drei Optionen.
  • Zielgruppen: Wie viele Gruppen brauchen unterschiedliche Ansprache, unterschiedliche Beweise und einen unterschiedlichen Call-to-Action? Eine Physiopraxis mit Privatpatient:innen und Zuweiser:innen aus Arztpraxen hat zwei Zielgruppen mit unterschiedlichen Fragen – nicht dieselbe Zielgruppe zweimal beschrieben.
  • Standorte: Wie viele Standorte haben echtes eigenständiges lokales Suchvolumen UND echten unterscheidbaren Inhalt – eigenes Team, eigene Öffnungszeiten, eigene Bewertungen? Ein Standort mit ausgetauschtem Ortsnamen im selben Text zählt hier nicht mit.
  • Sales-Cycle-Länge: Wie lange dauert es typischerweise von der ersten Google-Suche bis zum Auftrag? Bei einer Spontanentscheidung in Tagen reicht eine kompakte, transaktionale Struktur. Bei einer Investitionsentscheidung über mehrere Monate braucht es zusätzlichen Content, der über mehrere Besuche hinweg Vertrauen aufbaut.

Der Drei-Fragen-Test pro geplanten Seite

Die vier Variablen öffnen nur die Kandidatenliste. Ob ein Kandidat – eine Leistung, eine Zielgruppe, ein Standort – tatsächlich eine eigene Seite verdient, entscheidet derselbe kurze Test vor dem Bau:

  • Eigene Suchintention: Sucht jemand explizit danach, mit einer Anfrage, die sich von den anderen Kandidaten unterscheidet – nicht nur eine Variante derselben Anfrage?
  • Eigener Inhalt: Gibt es echten, eigenständigen Inhalt dafür – Beweise, Beispiele, Zahlen, Fotos –, der nicht praktisch identisch auf der Nachbarseite steht?
  • Eigene Pflege: Gibt es im Unternehmen jemanden, der diese Seite in einem Jahr noch aktuell hält – oder wird sie beim ersten Preiswechsel vergessen?

Warum fünfzig schwache Seiten schlechter sind als fünf starke

«Mehr Seiten» klingt nach mehr Angriffsfläche für Google. In der Praxis ist häufig das Gegenteil der Fall, aus mehreren, unabhängig voneinander wirkenden Gründen.

Keiner dieser fünf Effekte ist exotisch oder theoretisch – jeder lässt sich in Corinnes eigener Search-Console-Auswertung einzeln nachweisen.

  • Keyword-Kannibalisierung: Wenn drei fast identische Seiten um dieselbe Suchanfrage konkurrieren, muss Google sich für eine entscheiden – oft für keine, weil kein einziges Signal klar genug ist. Corinnes zwölf nicht indexierten Seiten sind ein Lehrbuchbeispiel dafür.
  • Verwässerte Linkkraft: Interne und externe Verweise verteilen sich auf viele Seiten statt sich auf wenige zu konzentrieren. Fünf Seiten mit gebündelten Verweisen wirken für Google deutlich autoritativer als vierzig Seiten mit je einem Bruchteil davon.
  • Thin- und Near-Duplicate-Signale: Seiten, die sich nur im ausgetauschten Ortsnamen unterscheiden, erfüllen technisch die Definition von dünnem, nahezu identischem Inhalt – ein Muster, das Suchmaschinen gezielt erkennen, nicht übersehen.
  • Verwässertes Vertrauen: Referenzen, Bewertungen und Beweise, die sich auf fünf Seiten konzentrieren, wirken überzeugender als dieselbe Menge Beweismaterial, verteilt auf vierzig fast leere Seiten.
  • Wartungsverschuldung: Jede Seite braucht irgendwann eine Aktualisierung – neuer Preis, neue Öffnungszeit, neues Teamfoto. Fünfzig Seiten, die niemand konsequent pflegt, senden über die Zeit ein schwächeres Signal als fünf Seiten, die immer aktuell sind.

Was kann schiefgehen: Wenn aus Lokalseiten Doorway-Seiten werden

Der spezifische Fehler in Corinnes Fall hat einen Namen, den Google explizit in seinen Spam-Richtlinien nennt: Doorway-Seiten – mehrere, kaum unterscheidbare Seiten, die auf verschiedene Suchanfragen zielen, aber Nutzer:innen letztlich zum selben Ziel führen. Google zählt sie ausdrücklich zu den Praktiken, die gegen die eigenen Spam-Richtlinien verstossen, unabhängig davon, ob die Absicht dahinter böswillig war oder – wie hier – gut gemeint.

Wer tiefer in lokale Sichtbarkeit einsteigen will, ohne in dieselbe Falle zu laufen, findet die ausführliche Anleitung dazu im Artikel zu Local SEO Schweiz – dieser Abschnitt behandelt bewusst nur den Punkt, an dem Standort-Seiten zur Architektur-Entscheidung werden, nicht das gesamte Thema lokale Suchmaschinenoptimierung.

  • Symptom: mehrere Seiten mit fast identischem Text, in dem im Wesentlichen nur ein Ortsname oder ein Produktname ausgetauscht ist.
  • Folge: nicht nur ausbleibendes Ranking, sondern im Extremfall eine manuelle Massnahme oder algorithmische Abwertung der betroffenen Seiten – ein härteres Ergebnis als «bringt halt nichts».
  • Abhilfe: bestehende Near-Duplicate-Seiten zu einer einzigen, inhaltlich substanziellen Seite zusammenführen und die übrigen URLs mit einer 301-Weiterleitung dorthin lenken, statt sie einfach zu löschen.
  • Vorbeugung: Nur Standorte mit echtem, unterscheidbarem Inhalt bekommen eine eigene Seite; alle übrigen Standorte landen gebündelt auf einer einzigen Übersichtsseite mit Karte und Adressliste.

Wann eine grössere Architektur wirklich nötig ist

Die Gegenprobe ist genauso wichtig wie die Warnung vor Aufblähung: Es gibt Unternehmen, für die zwanzig oder mehr Seiten keine Übertreibung, sondern die ehrliche Konsequenz derselben vier Variablen sind.

Ein Treuhandbüro mit Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Erbschafts- und Nachfolgeplanung, Sozialversicherungsberatung und Lohnbuchhaltungs-Outsourcing hat fünf Leistungen, die jede für sich eine eigene, oft monatelange Entscheidung auslösen, mit unterschiedlichen Zielgruppen – Privatpersonen, KMU, Verwaltungsräte – und einem langen, informationsintensiven Sales-Cycle. Für dieses Profil ist eine einzelne «Dienstleistungen»-Seite keine schlanke Lösung, sondern ein Vertrauensverlust: Wer eine Erbschaftsplanung sucht, will nicht drei Absätze weiter unten in einem Fliesstext über Wirtschaftsprüfung stehen.

Ebenso gilt: Eine Physio-Gruppe mit vier Standorten, an denen jeweils ein eigenes Team, eigene Öffnungszeiten und eigene, echte Google-Bewertungen bestehen, erfüllt den Drei-Fragen-Test für alle vier Standorte mit Ja. Hier ist die eigene Seite pro Standort keine SEO-Spielerei, sondern die einzig ehrliche Abbildung der Realität vor Ort. Der Unterschied zu Corinnes ursprünglicher Struktur liegt nicht in der Seitenzahl an sich, sondern darin, dass in diesen Beispielen jede zusätzliche Seite den Drei-Fragen-Test tatsächlich besteht.

Zurück zu Corinne: Was übrig bleibt, wenn man ehrlich zählt

Mit dem Framework aus diesem Artikel sieht Corinnes Rechnung anders aus als die ursprüngliche «vier mal neun». Vier Leistungen sind real unterscheidbar und bleiben vier Seiten. Zwei Zielgruppen – Privathaushalte und Liegenschaftsverwaltungen mit anderen Anforderungen an Offerten und Referenzen – rechtfertigen eine zusätzliche, dedizierte Seite für Geschäftskund:innen, während die private Zielgruppe in den Leistungsseiten mitläuft. Von den neun Gemeinden bestehen echte, unterscheidbare Inhalte – eigenes Team, eigene Referenzfotos – nur für den Hauptsitz in Baden und einen zweiten festen Standort in Aarau; die übrigen sieben Gemeinden werden auf einer einzigen Einzugsgebiets-Seite mit Karte gebündelt statt einzeln dupliziert. Der Sales-Cycle ist mit wenigen Tagen bis zur Offerte kurz, eine zusätzliche Vertrauens-Seite ist nicht nötig, weil die Leistungsseiten selbst diese Funktion übernehmen.

Macht zusammen elf Seiten: Startseite, Kontakt, Über uns, vier Leistungsseiten, eine B2B-Seite für Liegenschaftsverwaltungen, zwei Standort-Seiten und eine Einzugsgebiets-Übersicht. Weniger als ein Drittel der ursprünglichen 39 – und nach demselben ehrlichen Massstab eher im schlanken Business- als im Starter-Bereich, nicht weil das teurer klingt, sondern weil vier echte Leistungen plus zwei echte Zielgruppen plus zwei echte Standorte diese Zahl schlicht hergeben.

Realistische Grössenordnungen zur Einordnung

Damit die eigene Zahl nicht im luftleeren Raum steht, drei ehrliche Referenzpunkte – keine Verkaufsvorgabe, sondern eine Grössenordnung, an der Sie Ihr eigenes Ergebnis spiegeln können:

Diese drei Bänder sind kein Zwang, in eines davon hineinzupassen – sie sind ein Massstab, um die eigene, aus den vier Variablen errechnete Zahl grob einzuordnen, bevor man mit einer Agentur über den Umfang spricht.

  • Bis rund fünf Kernseiten: Startseite, Angebot, Über uns, Referenzen, Kontakt – der Bereich, in dem sich Weissmanns eigene Starter Website bewegt, aktuell zum Aktionspreis von CHF 880 (regulär CHF 2’490) statt CHF 4’990 oder mehr.
  • Rund zehn bis zwanzig Seiten: mehrere echte Leistungen, teils mehrere Zielgruppen oder Standorte, oft mit Blog- oder Wissensbereich – der Bereich der Business Website.
  • Grössere, individuelle Architekturen: viele echte Leistungen, mehrsprachiger Betrieb, Mitgliederbereiche oder E-Commerce – ab diesem Umfang lohnt sich ein individuelles Projekt statt eines Baukasten- oder Standardpakets.

Fazit: Zählen Sie durch, bevor jemand anders für Sie zählt

Corinne hat ihre Website inzwischen von 39 auf elf Seiten reduziert, die 28 nicht mehr benötigten URLs per 301 auf die verbliebenen Seiten umgeleitet und die Fensterreinigungs-Seite, die von Anfang an funktionierte, als Vorlage für die übrigen genutzt. Der nächste Schritt für Ihr eigenes Unternehmen ist nicht, sich für «mehr» oder «weniger» Seiten zu entscheiden, sondern die vier Variablen für Ihren eigenen Betrieb ehrlich durchzuzählen – bevor die nächste Agentur oder das nächste SEO-Tool Ihnen eine Zahl vorschlägt, die sich gut anhört, aber niemandem gehört.

Häufige Fragen

Reicht ein One-Pager für mein KMU wirklich aus?

Ja, wenn alle vier Variablen minimal ausfallen: eine Leistung, eine Zielgruppe, ein Standort und eine kurze, spontane Entscheidungsdauer. Für eine Einzelunternehmerin mit einem klaren Angebot ist eine gut geschriebene Seite mit Anker-Navigation oft überzeugender als fünf halb gefüllte Unterseiten. Sobald eine der vier Variablen wächst – eine zweite Leistung, eine zweite Zielgruppe –, lohnt sich meist der Schritt zu mehreren Seiten.

Muss ich für jeden Ort, den ich beliefere, eine eigene Seite haben?

Nein – nur für Standorte, die echten, unterscheidbaren Inhalt bieten: eigenes Team, eigene Öffnungszeiten, eigene Bewertungen. Orte ohne solchen Inhalt gehören gebündelt auf eine einzige Einzugsgebiets-Seite mit Karte und Adressliste. Eine eigene Seite pro Ort ohne echten Unterschied erfüllt technisch die Definition einer Doorway-Seite und schadet häufiger, als sie nützt.

Schadet eine kleine Website mit nur fünf Seiten meinem Google-Ranking?

Nicht grundsätzlich. Google bewertet, wie gut eine Seite eine Suchanfrage beantwortet, nicht wie viele Seiten eine Domain insgesamt hat. Fünf Seiten mit konzentrierten Beweisen, klaren Antworten und aktuellem Inhalt ranken in der Regel besser als vierzig Seiten, die sich gegenseitig Suchanfragen streitig machen.

Woran erkenne ich, ob zwei Leistungen wirklich getrennte Seiten brauchen?

Am Drei-Fragen-Test: eigene Suchintention, eigener Inhalt, eigene Pflegeverantwortung. Zwei Leistungen, die sich nur im Namen unterscheiden – etwa «kleine» und «grosse» Umzugsreinigung –, sind meistens eine Leistung mit zwei Optionen auf einer Seite. Zwei Leistungen mit unterschiedlichen Kund:innen, Preisen und Abläufen sind zwei eigenständige Seiten wert.

Wie lange dauert es, bis Google eine schwache Seite als Ballast erkennt?

Eine feste Frist gibt es nicht, und jede genaue Zahl dazu wäre erfunden. In der Praxis zeigt sich das Muster meist innerhalb weniger Monate in der Search Console: ausbleibende Indexierung, kaum Impressionen, keine Klicks – oft bevor überhaupt jemand explizit nach «Doorway-Seiten» sucht.

Ab welcher Seitenzahl lohnt sich eine Business- statt einer Starter-Struktur?

Nicht an einer festen Zahl, sondern daran, ob die vier Variablen echt über den Starter-Rahmen von rund fünf Kernseiten hinausgehen – etwa durch mehrere echte Leistungen mit unterschiedlichen Zielgruppen oder einen längeren, beratungsintensiven Sales-Cycle mit eigenem Wissensbereich. Landet Ihre ehrliche Zählung bei zehn oder mehr Seiten, ist das der Punkt.

Kann ich später Seiten ergänzen, ohne die Struktur neu zu planen?

Ja, wenn die ursprüngliche Architektur sauber angelegt wurde – mit klarer Navigation, sinnvollen URL-Mustern und Platz für Wachstum. Problematisch wird es nur, wenn frühzeitig Seiten aus Prinzip statt aus echtem Bedarf gebaut wurden; dann wird jede spätere Ergänzung zur Aufräumaktion statt zur einfachen Erweiterung.

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